Das erste Museum, das ein Passivhaus ist

Ein Beispiel für ein PassivhausVon Passivhäusern hört man dieser Tage viel. Doch was ist eigentlich mit Passiveinkaufszentren, -hochhäusern oder -hotels? In Ravensburg wurde kürzlich das erste Passivmuseum eröffnet und die Thematik damit auf eine ganz neue Ebene gestellt.




Licht aus – Gemälde mögen es dunkel

Auf den Inhalt kommt es an – dieser Satz ist dir sicher geläufig. Wenn ein Name oder ein Gebäude jedoch für etwas Bestimmtes steht, dann sind mitunter auch die Rahmenbedingungen von Bedeutung, wie zum Beispiel beim Kunstmuseum Ravensburg. Das Museum wollte seinen Besuchern ein Gebäude präsentieren, das dem Inhalt gerecht wird – nicht ganz einfach, denn die Nutzung von Tageslicht gehört zu den beliebtesten Methoden beim Gebäudebau, um Energie zu sparen. Das allerdings entspricht so gar nicht den Anforderungen klassischer Gemälde, die es gern dunkel mögen, da sie andernfalls schnell verblassen und vergilben. Für die Erbauer bedeutete das: weniger und kleinere Fenster und dafür lichtundurchlässiges Gemäuer. Hier steckte wiederum Potenzial zum Energiesparen, denn im Vergleich zu den Fensteröffnungen schützen die Wände weitaus besser vor Wärme- und Kälteverlust. Das Fazit: wenn also schon kein Licht einfangen, dann wenigstens durch optimale Dämmung ein angenehmes Klima schaffen.

Weniger Fenster, mehr Dämmung

Schließlich entschloss man sich, ein Passivhaus zu bauen, das mit minimalem Energieaufwand betrieben werden kann. Gleich zwei Architekturbüros arbeiteten an dem Konzept für den Neubau des Ravensburger Kunstmuseums: zum einen die Passivhausspezialisten des Büros Herz & Lang, zum anderen das Stuttgarter Architekturbüro Lederer, Ragnarsdóttir & Oei, das für das Visuelle zuständig war. Das Motto des Entwurfs war: „Erst kommt die Stadt, dann das Haus.“ Soll heißen, das Gebäude sollte sich seiner Umgebung optimal anpassen. Damit standen die Erbauer jedoch bereits vor dem nächsten Problem, denn die vorherrschende Ziegelbauweise ist nur wenig energieeffizient, da durch die Ritzen der einzelnen Ziegelstücke kalte und warme Luft ins Innere gelangt. So entschied man sich, das Gebäude hinter der Ziegelfassade in ein Kleid aus Mineralwolle zu packen, womit eine dämmende Funktion der Fassade überflüssig wurde. Somit entstand das erste Museum der Welt, das dem Passivbaustandard entspricht und nicht nur Kunstliebhaber anlockt. Auch für Architekten und Bauherren ist das neue Museum ein Quell der Inspiration, denn Nachmachen ist bei diesem Projekt nach Aussage von Wolfang Feist, dem Gründer des Passivhausinstituts, durchaus erwünscht.

IMG: danielschoenen – Fotolia

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Author: Kolumbus

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